Eosinophile Ösophagitis

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Symposiumsbericht: DGIM 2022

Neue Leitlinie zu Refluxkrankheit und eosinophiler Ösophagitis in Kürze erwartet

Derzeit wird die S2k-Leitlinie zur gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) überarbeitet. Integriert ist erstmals ein Kapitel zur eosinophilen Ösophagitis (EoE). Die unterschiedliche Herangehensweise an die beiden Erkrankungen wurde bei einem Satellitensymposium der Dr. Falk Pharma von den beiden Mitautoren der neuen Leitlinie Prof. Joachim Labenz (Siegen) und Prof. Stephan Miehlke (Hamburg) im Rahmen des 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) erörtert.

Klingt interessant? Dann hören Sie auch bei Leicht verdaulich – dem GastroPodcast der Medical Tribune rein. Folge 1 der Podcast-Serie: Ein Ausblick auf die neuen Leitlinien zur Refluxkrankheit und eosinophilen Ösophagitis mit den beiden Leitlinien-Mitautoren Prof. Labenz und Prof. Miehlke.

Refluxbeschwerden wie Sodbrennen sind unspezifische viszerale Symptome und nicht automatisch mit einer GERD gleichzusetzen, erklärte Labenz. Die Herausforderung bei GERD: „Sie müssen nachweisen, dass der Reflux die Beschwerden hervorruft.“ Langjährige, schwere, auch nächtliche Refluxbeschwerden, Dysphagie, Gewichtsverlust, Blutungen, sowie Krebserkrankungen des oberen Verdauungstraktes in der Familie erfordernimmer eine Abklärung. „Aber“, so Labenz „über 90% der Betroffenen können Sie erst einmal symptomatisch behandeln.“ Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) bleiben Standard, sind aber nicht mehr obligat. Falls sie die Symptome nicht ausreichend kontrollieren, erlaubt die zukünftige neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) auch H2-Rezeptorblocker, Alginate oder Antazida.

Immer wichtig bei GERD: Lifestyle-Änderungen

Gut belegte Allgemeinmaßnahmen wie gesunde Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme, Nikotin- und Alkoholverzicht gehören immer zur Therapie der GERD dazu. Bei PPI-Resistenz nach mindestens acht Wochen adäquater Therapie ist eine abgestufte Diagnostik indiziert. Jede*r Zweite, die oder der täglich PPI einnimmt, hat weiter Beschwerden.1 Das kann an einer inadäquaten Säurehemmung oder an einem nicht-sauren Reflux liegen. „Oder es könnte einfach eine andere Krankheit dahinterstecken,“ betonte Labenz.

PPI-refraktäre Refluxsymptome und Dysphagie? Vielleicht eine EoE?

Eine wichtige Differenzialdiagnose der GERD ist die EoE. Sie betrifft fast 5% aller Patient*innen mit PPI-refraktären Refluxsymptomen. Dieser Anteil steigt sogar auf 10% an, wenn zusätzlich Schluckstörungen festgestellt werden.2 Letztere sind, wie auch die Bolusobstruktion, ein Leitsymptom der EoE.

Abb. 1: Hohe EoE-Dunkelziffer bei PPI-refraktären GERD-Patient*innen2

„Je älter die Menschen werden, umso klarer wird das Symptombild“, sagte Prof. Miehlke. Ab der Adoleszenz weisen rund 90% eine Dysphagie auf, bei Kindern ist die Symptomatik weniger spezifisch.

Ohne adäquate Therapie schreitet die EoE fort und führt regelhaft zu Komplikationen. Am gefährlichsten wird es, wenn es zur Perforation der Speiseröhre kommt. Überwiegend geschieht das bei der Notfall-mäßigen Entfernung steckengebliebener Nahrungsboli, die häufig zur ersten Vorstellung der Patient*innen führt.3

Klinisch-histologische Remission ist entscheidend

Anders als bei GERD reicht bei der Therapie der EoE eine reine Symptomkontrolle nicht aus. Ziel ist die klinische und histologische Remission. Therapie der Wahl sind topische Kortikosteroide. Für PPI und die Six-Food-Eliminationsdiät (SFED) wird es in der neuen Leitlinie lediglich eine Kann-Empfehlung geben, so Miehlke. Von Allergietest-basierten Diäten wird in der Leitlinie abgeraten, da sie bei Erwachsenen allenfalls bei 30% eine histologische Remission erzielen würden.

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Referenzen

  1. Delshad SD et al., Gastroenterology 2020;158(5):1250-1261.e2
  2. Oude Nijhuis RAB et al., Am J Gastroenterol. 2021;116(4):816-820
  3. Arias-González L et al., Dig Liver Dis. 2020;52(3):245-252
  4. Lucendo AJ et al., Gastroenterology 2019; 157:74–86.
  5. Straumann A. UEG week virtual 2021, Poster presentation 03.10.2021 (MP032)​
  6. Straumann A et al., Gastroenterology. 2020;159(5):1672-1685.e5
  7. Miehlke S. UEG week virtual 2021, Poster presentation 05.10.2021 (OP178)​
  8. Lucendo AJ. UEG week virtual 2021, Poster presentation 05.10.2021 (OP179)​
  9. Straumann A et al, Gastroenterology 2020;159(5):1672–1685.e5.

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