Eosinophile Ösophagitis

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Experteninterview: Eosinophile Ösophagitis: „Wichtig sind die frühzeitige Diagnose und eine effektive Langzeittherapie“

Professor Dr. Stephan Miehlke, Hamburg

Die Diagnostik und Therapie der eosinophilen Ösophagitis (EoE) ist ein Schwerpunkt des medizinischen Engagements von Professor Dr. Stephan Miehlke, Hamburg. Der niedergelassene Gastroenterologe hat sich über 10 Jahre intensiv mit dieser chronisch entzündlichen Erkrankung der Speiseröhre beschäftigt und ist federführender Mitautor der neuen Leitlinie zu Refluxkrankheit und EoE. Wie er erstmals auf die EoE aufmerksam wurde, warum ihm die Erkrankung so am Herzen liegt und welche Bedeutung der EoE im praktischen Alltag zukommt, erläutert er in einem Interview.

Herr Professor Miehlke, was hat Sie motiviert und was treibt Sie weiter an, sich so intensiv mit der EoE zu beschäftigen?

Prof. Miehlke: Vor rund 30 Jahren wurde die eosinophile Ösophagitis entdeckt und seitdem findet dieses Krankheitsbild im wissenschaftlichen Bereich zunehmend Beachtung. Parallel dazu haben wir mehr und mehr Patient*innen mit entsprechender Symptomatik im Praxisalltag gesehen. Es gab jedoch keine zugelassene medikamentöse Therapie, sodass wir den Betroffenen nur bedingt helfen konnten. Das war für mich eine starke Motivation, daran mitzuarbeiten die Diagnostik und Therapie der EoE zu verbessern. Ich bekam zudem früh die Möglichkeit, an der Phase 2-Studie und später an der Zulassungsstudie eines topischen Kortikosteroid-Präparats mitzuwirken, sodass auch mein wissenschaftliches Interesse an der EoE geweckt wurde. Die Zahl der EoE-Patient*innen ist in unserer Praxis inzwischen so hoch, dass kaum noch Zeit für andere Schwerpunkte bleibt.

Wie hoch ist der Leidensdruck Ihrer Patient*innen und wie gehen diese mit der Erkrankung um?

Prof. Miehlke: Der Leidensdruck ist bei vielen Patient*innen ausgesprochen hoch. Viele Betroffene leiden beispielsweise darunter, nicht mehr wie alle anderen Menschen in ihrer Umgebung vernünftig essen zu können. Sie haben spezielle Strategien entwickelt, um mit der Dysphagie zurecht zu kommen. So essen sie meist sehr langsam, kauen sehr bewusst und meiden beispielsweise Fleischgerichte oder sogar generell feste Kost aus Sorge, es könne zu einer Bolusimpaktion kommen. In vielen Fällen gehen die Patient*innen nicht mehr in Restaurants aus Sorge vor peinlichen Situationen. Das kann bei den meist jungen und ansonsten aktiven Menschen, die von der EoE betroffen sind, eine zunehmende soziale Isolation und dadurch bedingt eine depressive Problematik nach sich ziehen. Auch die Therapie kann einen erheblichen Leidensdruck bedeuten. So wird nach wie vor vielen Patient*innen zur 6-Food-Eliminationsdiät geraten. Diese Form der Ernährung ist nicht nur schwer im Alltag zu realisieren, sondern mit sehr viel Verzicht verbunden. Sie schränkt die Lebensqualität massiv ein.

Die gastroösophageale Refluxkrankheit ist die relevanteste Fehldiagnose der EoE, da die Symptome beider Erkrankungen teilweise überlappen. Worauf kommt es bei der Differentialdiagnostik an?

Prof. Miehlke: Es ist eigentlich nicht schwierig, die beiden Krankheitsbilder zu differenzieren. Die Refluxkrankheit ist dabei sogar schwieriger zu diagnostizieren als die EoE, denn bei der EoE haben wir das Leitsymptom der Dysphagie. Bei der Refluxkrankheit ist die Symptomatik oftmals vielschichtiger und reicht vom Sodbrennen über die Dysphagie bis zur Regurgitation. Die Symptomanamnese ist somit bereits richtungsweisend. Es handelt sich bei der EoE zudem meist um eher jüngere Patient*innen, wobei Männer im mittleren Lebensalter häufiger betroffen sind als Frauen. Sie leiden nicht selten auch an allergischen Erkrankungen, sind ansonsten aber gesund. Patient*innen mit Refluxerkrankung sind dagegen meist schon älter, ernähren sich oft eher ungesund, sind übergewichtig und geben als Beschwerden meist Sodbrennen und saures Aufstoßen an. Bei beiden Erkrankungen ist eine endoskopische Untersuchung angezeigt. Die Befunde bei der EoE sind gut charakterisiert und anhand des endoskopischen Bildes ist oft rasch eine eindeutige Diagnose zu stellen, die dann nur noch histologisch gesichert werden muss. Zu bedenken ist aber, dass sich die EoE und die Refluxkrankheit nicht gegenseitig ausschließen, sondern nebeneinander vorliegen können. Das kann die Diagnostik erschweren.

Es vergehen oft viele Jahre, bis eine EoE entdeckt wird. Warum sind eine frühzeitige Diagnose und Therapie bei dieser Erkrankung so wichtig?

Prof. Miehlke: Die verzögerte Diagnostik ist oft dadurch bestimmt, dass Betroffene ihr Ernährungsverhalten der Dysphagie anpassen. Die Erkrankung verläuft aber progredient mit oft zunehmenden Beschwerden. Diese müssen unbedingt ernst genommen werden, denn den Patient*innen drohen infolge der chronischen Entzündung Remodelling-Prozesse mit der Ausbildung von Fibrose, Narben sowie Strikturen im Ösophagus, was zu einem hohen Risiko für Bolusobstruktionen führt. Eine solche Komplikation führt die Patient*innen im Allgemeinen als Notfall in die Klinik, was nicht selten der Erstkontakt mit einer Ärztin oder einem Arzt aufgrund der EoE ist. Um solchen Komplikationen vorzubeugen, brauchen die Patient*innen in aller Regel eine frühzeitige und langfristig konsequente Therapie.

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